Infektionen und chronische Krankheiten

Die Verdauung beginnt im Mund. Bestimmte Nährstoffe wie z. B. Kohlehydrate werden bereits im Mund in ihre molekularen Bestandteile zerlegt.

Auswirkungen auf Immunsystem und Mundgesundheit

Wenn das Gebiss nicht mitspielt oder der Speichelfluss gestört ist, bekommen wir Probleme im Verdauungstrakt, was wiederum Probleme des Stoffwechsels nach sich zieht. Dadurch wird das Immunsystem geschwächt, was sich wiederum negativ auf die Mundgesundheit auswirkt

Korrelation zu Gastritis, Arthritis, Rheuma und Diabetes

Viele Infekte und chronische Krankheiten stehen unmittelbar mit der Mundgesundheit im Zusammenhang. Beispielsweise kann der Erreger von Magenschleimhautentzündungen (Gastritis), Helicobacter, auch in entzündeten Zahnfleischtaschen nachgewiesen werden. Acht von zehn Patienten mit einer Helicobacter Gastritis leiden auch an Zahnfleischentzündungen.
Studien zeigen, dass viele Patienten mit rheumatischen Erkrankungen einen schlechten bis sehr schlechten Zahnstatus haben. Der Körper reagiert auf Entzündungen im Mund mit der Bildung von Antikörpern, um sich gegen die Entzündung verursachenden Bakterien zu wehren. Diese Antikörper können wiederum als autoimmune Reaktion eine rheumatische Erkrankung auslösen.
Durch die mit dem Diabetes einhergehenden Durchblutungsstörungen wird die gesamte Mundschleimhaut anfällig gegen Infektionen und Entzündungen. Diese wiederum erhöhen das Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkte.

Wie beeinflussen sich chronische Erkrankungen und die Mundgesundheit gegenseitig

Systemische und chronische Erkrankungen eines oder mehrerer Organsysteme haben meist schwere Auswirkungen auf den gesamten Körper. Nicht nur die Krankheit selbst beeinträchtigt die Allgemeinverfassung, es müssen auch Medikamente mit erheblichen Nebenwirkungen eingenommen werden.

Besonders Probleme mit Leber und Niere können in enger Wechselbeziehung zur Mundgesundheit stehen. So führt bei vorbestehenden Lebererkrankungen wie Fettleber, Zirrhose und chronischen Infektionen wie Hepatitis B oder C eine aktive Parodontitis oft zu einer markanten Verschlechterung der Leberwerte. Auch hier hat das schon bekannte Bakterium mit dem klingenden Namen Porphyromonas Gingivalis eine Schlüsselrolle. Es erhöht allgemein die Bereitschaft für Entzündungen in Geweben und stört damit den Zucker- und Fettstoffwechsel der Leber. Außerdem fördert es Entstehung und Fortschreiten einer Fettleberentzündung.

Ganz ähnlich verhält es sich bei Nierenschwäche oder Nierenversagen. Diese Patienten sind viel infektionsanfälliger als Nierengesunde. Dies betrifft natürlich auch die Mundhöhle. Eine gute Überwachung der Mundgesundheit und Sanierung von parodontalen Entzündungsherden schützt die angegriffenen Nieren. Chronische Nierenerkrankungen sind also nicht nur Sache des Internisten sondern, wenn es auch im ersten Moment erstaunlich klingt, eine Angelegenheit des Zahnarztes.

Wenn Sie zur Gruppe der nierenkranken Patienten gehören, nehmen Sie bitte Ihre letzten Laborwerte zur zahnärztlichen Untersuchung mit. Sie helfen, eine für Sie angepasste und optimale Behandlung durchzuführen.

Besonders dialyseplfichtige Patienten müssen vorsichtig sein. Ihre Immunabwehr ist geschwächt, Bakterien, welche aus
den Zahnfleischtaschen in die Blutbahn geraten, können nicht rechtzeitig abgetötet werden. Besonders gefährlich ist eine Infektion des Dialyseshunts durch diese Keime. Zahnärztliche Eingriffe sollten wegen des Blutverdünnungsmittels Heparin nie am Tag der Dialyse gemacht werden.

Eine regelmäßige gute zahnärztliche Versorgung bei Krebspatienten ist unerlässlich, besonders wenn sie Chemotherapeutika erhalten. Patienten mit malignen Bluterkrankungen wie Leukämie haben schwere Störungen der Immunabwehr und tendieren ganz besonders zu Soor und Pilzinfektionen. Zytostatika und Medikamente zur Chemotherapie haben ebenfalls negative Auswirkungen auf die Mundschleimhaut. Entzündungen, wunde Stellen und Geschwüre sind die unangenehmen Nebenwirkungen der Chemotherapie. Alle diese Probleme machen eine gute Planung der Mundhygiene während einer Chemotherapie notwendig. Hier sollten für professionelle Reinigung und kleinere Eingriffe die Phasen zwischen den Therapiezyklen genutzt werden, um gefährliche Streuherde von vornherein zu reduzieren. 

Was kann ich tun?

Wenn Sie an Gastritis, rheumatischen Erkrankungen oder Diabetes leiden, sprechen Sie Ihren Zahnarzt auf diese Probleme an. Er und Ihr Internist oder Hausarzt können durch eine enge Zusammenarbeit Ihre chronische Krankheit gut beherrschen. Eine abgestimmte medikamentöse Einstellung und gleichzeitige Behandlung von Zahnproblemen und chronischer Erkrankung fördern den Heilungsprozess beider Krankheiten.